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Der Ort: Das Kino

Der Film fand im Kino – auch Filmtheater, Lichtspieltheater oder Lichtspielhaus genannt – einen eigenen, nur für ihn geschaffenen Ort. Hier werden mit Hilfe von Projektoren die einzelnen, auf der Filmrolle aufgezeichneten Bilder zum Laufen gebracht: Die Kinematographie wird sichtbar und erlebbar. Das Kino ist der Ort, an dem der Film seine materielle Existenz verläßt und zum Leben erwacht.

Der Begriff Kino leitet sich von dem Wort Kinematograph (Cinématographe) ab – einem Apparat der Gebrüder Lumière, welcher Filmkamera, Kopiergerät und Filmprojektor in einem war. Heute wird das Wort häufig mit dem Begriff Filmkunst an sich oder dem Erlebnis des Ins-Kino-Gehen gleichgesetzt. In dieser Transformation der Bedeutung spiegelt sich auch die veränderte Wahrnehmung des Raumes / des Ortes Kino wieder.

Die ersten Filmtheater – also Häuser bzw. Räume, die hauptsächlich der Vorführung von Filmen dienten – wurden zu Beginn des letzten Jahrhunderts eröffnet. In den Städten entstanden große Filmpaläste und auf dem Land zahlreiche kleine bis mittelgroße Lichtspielhäuser. Die Säle der Häuser wurden opulent ausgestattet und dekoriert: aufwendige Wandbespannungen, strahlende Leuchten, schöne Wandmalereien und glänzende Vorhänge sollten den Besucher in eine Traumwelt versetzen und dem Film eine theaterähnliche Bühne bieten. Die Architektur trug dazu bei, ein dreidimensionales Erleben des kinematographischen Geschehens zu ermöglichen.

Nach der großen Krise in den 1950er Jahren veränderte sich die Wahrnehmung und Gestaltung der Filmtheater durch die Einführung des Fernsehens. Neben zahlreichen Schließungen wurden in vielen Häusern große Säle in mehrere kleine, architektonisch unauffällige „Schachteln“ unterteilt. Die seit den 1980er Jahren neu gebauten Multiplex- oder Centerkinos sind vor allem durch Schlichtheit und Gleichförmigkeit gekennzeichnet. Die Aufmerksamkeit der Besucher sollte nun im Foyer und dem Verkaufsbereich liegen.

Heute sind die noch erhaltenen, alten Filmtheater neben den rückgängigen Besucherzahlen vor allem durch die Digitalisierung bedroht. Der Kinobestand hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Vor allem größere Einzelhäuser und Familienbetriebe sind davon betroffen. Die spezifischen Bedingungen des Ortes Kino (Abgeschlossenheit, Exklusivität, Aufmerksamkeitsfokussierung) werden mittlerweile auch an anderen Orten, wie Museen oder Hörsälen, geboten. Filme sind heute überall erfahrbar.

Das Langzeit-Projekt „Kinoräume – Orte für den Film“ widmet sich der Dokumentation der noch erhaltenen Filmtheater. Seit 2002 wurden auf Reisen durch Deutschland und Europa bereits über 50 Säle fotografiert. (>Portfolio) Einige der fotografierten Räume sind heute geschlossen oder werden für andere Zwecke genutzt.

Die Säle werden in kompositorischer Stringenz zentralperspektivisch mit Blick auf den geschlossenen Vorhang oder der weißen Leinwand aufgenommen. Neben diesen Hauptmotiven entstehen weitere Aufnahmen aus anderen Perspektiven, von Details und Foyers sowie Treppenhäusern oder Fassaden. Durch Langzeitbelichtungen können die Details nur mit Hilfe des im Raum vorhandenen Lichtes mit der Großformatkamera aufgezeichnet werden.

Einzelne Motive aus der Serie sind als Edition in der Galerie Lumas vertreten. (> Editionen) Darüber hinaus wurden schon zahlreiche Motive in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht und als Wandkalender verlegt. (> Publikationen)